Umgang mit Weglauftendenz und Hinlauftendenz bei Demenz

Menschen mit Demenz verspüren häufig den inneren Drang, sich zu bewegen oder einen bestimmten Ort aufsuchen zu wollen. Dieses Verhalten wird als Weglauftendenz (Zielloses Umhergehen) oder Hinlauftendenz (zielgerichtetes Aufsuchen eines vermeintlich wichtigen Ortes) bezeichnet. Dahinter stehen meist Bedürfnisse wie Orientierungssuche, Unruhe oder das Gefühl, „nach Hause“ zu müssen.

Ursachen verstehen

Weglaufen ist selten Trotz, sondern Ausdruck von Unsicherheit oder innerem Stress. Häufige Gründe sind:

  • Orientierungslosigkeit
  • Suche nach vertrauten Orten oder Personen
  • Bewegungsdrang
  • Angst, Unruhe oder Langeweile
  • alte Gewohnheiten (z. B. „zur Arbeit gehen wollen“)

Ein verständnisvoller Blick auf die Ursache hilft, angemessen zu reagieren.

Richtig reagieren im Alltag

Wichtig ist, ruhig zu bleiben und Sicherheit zu vermitteln:

  • nicht schimpfen oder festhalten, sondern begleiten
  • in ruhigem Ton ansprechen und Orientierung geben
  • bekannte Wege gemeinsam gehen
  • auf Bedürfnisse achten (Durst, Toilette, Bewegung)

Oft hilft es, das Bedürfnis aufzugreifen, statt es zu unterbinden.

Sicherheit erhöhen

Um Risiken zu vermeiden, können einfache Maßnahmen helfen:

  • Türen sichern oder mit Orientierungsschildern versehen
  • Notfallkontakte am Körper tragen lassen
  • vertraute Nachbarschaft informieren
  • Bewegungsmöglichkeiten im sicheren Umfeld schaffen

Ziel ist Schutz, ohne die Bewegungsfreiheit unnötig einzuschränken.

Fazit

Weglauftendenz und Hinlauftendenz sind häufige Verhaltensweisen bei Demenz und meist Ausdruck von Orientierungssuche oder innerer Unruhe. Mit Verständnis, Begleitung und passenden Sicherheitsmaßnahmen lassen sich Risiken reduzieren und gleichzeitig Würde und Bewegungsdrang der Betroffenen respektieren.

Angela Preiss
Author: Angela Preiss

Fortbildung Alltagsbegleiter in der Demenzbetreuung, Fortbildung Gerontophsychiatrische Fachkraft